Eine sportliche und zwischenmenschliche Herausforderung - 
unsere Tour von Odenthal nach Cernay-La-Ville

Bericht von Armin Schmidtke
 

In diesem Jahr jährt sich die Städtepartnerschaft zwischen Cernay und Odenthal zum 30. Mal und so schlugen díe Cernayaner eine große sportliche Herausforderung vor. Sie wollten von Odenthal nach Cernay laufen. Das waren ca. 600km, die sie „auf Schusters Rappen“ bewältigen wollten.

Das setzt natürlich eine Menge Organisation voraus und schon im Juni des vergangenen Jahres begann Arnold Yvray für seine Mannschaft mit der Vorbereitung dieses Events. Schnell waren aus dem Verein „Cours à Pied“ (CAP) in Cernay sechs Mitstreiter gefunden, die sich diese Strecke auch

zutrauten. Immerhin muss damit ein jeder Läufer 30km pro Tag bewältigen und das mit einem Stundenmittel von 10km/h bergauf und bergab durch die Eifel und die Ardennen.

Anfang dieses Jahres sprach mich die Vorsitzende des Comitées in Odenthal an, ob ich eine läuferische Begleitung für diese Herausforderung organisieren könnte. Leider war hierzu die Zeit etwas knapp, auch war es nicht möglich, genügend Läufer*innen mit diesem Potential in Odenthal zu finden. So war schnell eine Idee zur Begleitung der französischen Läufer durch Radfahrer aus Odenthal geboren, die sich auch in der Kürze der Zeit realisieren ließ.

Es begann eine hektische Zeit der Organisation, angefangen mit vielen Gesprächen zwischen Arnold und mir und den beiden Vorsitzenden der beiden Comitées. Ich konnte dann auch drei Radfahrer finden, die sich diese Tour auch zutrauten. Leider sprang uns noch ein Radfahrer ab, sodass am Ende noch Udo Leutz, Jürgen Lichtenberg und ich übrigblieben. Es wurde dann im Februar und März noch fleißig auf dem Fahrrad trainiert, damit wir uns in den vier Tagen der Tour nicht blamierten. Auch mussten die Hotels für uns an der Strecke organisiert und reserviert werden und auch ein Begleitbus für die Radfahrer war vonnöten. Als Begletfahrzeug stand uns ein Ford-Transit-Bus zur Verfügung, der uns dann von Odenthal nach Cernay-la-Ville wertvolle Dienste leistete. Die Strecke hatte Arnold mit seinem Team schon geplant, wobei wir aus Sicherheitsgründen nur kleine Straßen mit möglichst wenig Autoverkehr nutzen wollten. Dabei sollten pro Tag ca. 170km absolviert werden. Das klingt jetzt extrem viel, aber diese Strecke war als Staffellauf ausgelegt, d. h. dass immer ein Läufer 10km absolviert und dabei von einem Radfahrer begleitet wurde. Anschließend gab es die Staffelübergabe mit „Abklatschen“ und der nächste Läufer begab sich auf die nächste Etappe von 10km. Wir Radfahrer absolvierten dann immer zwischen 20 – 30km, bis auch wir an den nächsten Radfahrer „übergaben“. In der Zwischenzeit fuhren die beiden Kleinbusse immer 10km weiter und warteten dort auf die Staffelübergabe. So war der Plan und die Zeit verging mit Training und Vorfreude auf das Ereignis.

Endlich war es soweit – die Franzosen kamen mit ihrem Bus nach Odenthal. Wir trafen uns am Sonntagnachmittag (11. Mai 2026) am Rathaus in Odenthal. Eine kleine Delegation empfing die Läufer*innen und nahmen die Franzosen in Empfang.

Gemeinsames Mittagessen bei Wißkirchen

Am Sonntagabend trafen sich die Sportler mit Teilen des deutschen Comitées und unserer Bürgermeisterin bei Wisskirchen zu einem gemeinsamen Abendessen, damit wir uns schon ein wenig „beschnuppern“ konnten. Schnell saßen die Sportler*innen beieinander und fachsimpelten über das bevorstehende Event. Am nächsten Morgen sammelte ich alle Radfahrer und Läufer um 4h15 bei den Herbergseltern ein und wir starteten  pünktlich um 5h in der Frühe am Odenthaler Rathaus mit der ersten Etappe. Leider hatten wir keinen guten Draht zum Wettergott, denn der Regen war ein permanenter Begleiter unserer Staffel.

Valerie un Jürgen kurz vor dem Läuferwechsel

Nicolas und ich liefen / fuhren im strömenden Regen von Odenthal nach Köln-Dünnwald, wo der erste Wechsel anstand und Arnold die zweite Etappe übernahm. Diese gestaltete sich sehr anspruchsvoll, da wir im morgendlichen Berufsverkehr gemeinsam durch die Kölner Innenstadt liefen und dabei über die Zoobrücke, am Dom vorbei und auf der Rheinuferstraße Richtung Ortsausgang Köln strebten. Zudem war es nicht ganz ungefährlich, denn schon in der Innenstadt rutschte ich mit meinem Rad auf den nassen weißen Fahrbahnmarkierungen aus und stürzte. Zum Glück trugen wir auf der gesamten Tour einen Helm, sodass es bei einigen kleinen Hautabschürfungen blieb. Nach 17km übergab Arnold den sinnbildlichen Staffelstab im weiterhin strömenden Regen an Valérie, die ich weiterhin auf ihrem Teilstück mit dem Radl begleitete.

Mittlerweile war ich nass bis „auf die Haut“, als ich nach 40km meinen Part an Jürgen übergab, der dann Alexandre und Pascal auf deren Etappen begleitete. Am Nachmittag klarte es dann ein wenig auf, und Udo konnte uns unterstützen und begleitete dann Nicolas und Arnold auf deren zweitem Teilstück. Udo hatte sich in der vergangenen Woche eine starke Erkältung zugezogen und wusste bis Sonntag noch nicht, ob er uns auf unserem Trip begleiten könne. Deshalb schonten wir unseren „Senior“ am Anfang ein wenig, der aber auch seinen Part hervorragend meisterte. Trotz der widrigen Witterungsbedingungen war die Stimmung ausgelassen und wir unterhielten uns auf den Lauf-Fahretappen und in den Pausen freundlich miteinander. Die pausierenden Läufer und Radfahrer sprachen über ihre Etappen und das Mistwetter. Dabei kramte Jürgen seine „verschütteten“ französischen Schulsprachkenntnisse wieder aus und wenn es in Französisch nicht weiter ging, behalfen wir uns mit nglisch.

So nahm der erste Tag seinen Lauf und wir deutschen Radfahrer brachen jedoch nach 140km den ersten Tag ab, da wir in Belgien noch einige Lebensmittel einkaufen wollten. Außerdem waren unsere Radfahrutensilien komplett durchnässt und wir wollten nicht schon am ersten Tag eine Erkältung oder Grippe riskieren. Abends trafen wir uns dann in Houffalize/Belgien gemeinsam im Hotel, bevor es um 22h30 endlich ins Bett ging, denn schon um 4h am nächsten Morgen klingelte der Wecker und mahnte zur Aktivität. Nach einem kleinen Frühstück, dass uns die Hotelbesitzerin bereitgestellt hatte, ging es pünktlich um 5h in den zweiten Tag. Natürlich war es noch dunkel, aber Udo ließ es sich nicht nehmen, das erste Teilstück unter die Räder zu nehmen und Nicolas zu begleiten. Leider wurde das Wetter nicht wirklich besser und heute kamen noch die Steigungen der Ardennen als zusätzliche Herausforderungen dazu.

Wenn man normalerweise Rad fährt, liegt die Geschwindigkeit bei 20km/h oder etwas schneller, aber als Begleiter für die Läufer ging es immer mit 10 – 11km/h vorwärts. Das geht im Flachland einigermaßen, aber bei den Bergauffahrten als auch den Gefällstrecken sind 10km/h eine Herausforderung. Man kann nur sehr langsam bergauffahren und bei den Bergab-Fahrten liegt die Hauptbeschäftigung im Testen der Bremsen. Wir wollten auch unbedingt hinter den Läufern bleiben, um diese mit unseren Fahrrädern gegen die Autofahrer abzuschirmen. Mit unseren Rädern werden wir natürlich von den Autofahrern viel besser wahrgenommen als ein einzelner Läufer am Straßenrand. Überhaupt durften wir wirklich feststellen, dass Arnold eine hervorragende Route ausgewählt hatte und auch die Autofahrer fast immer einen großen Sicherheitsabstand zu uns Sportler am Straßenrand einhielten.

Am späten Nachmittag überquerten wir bei trockenem Wetter in den Ardennen die Grenze nach Frankreich.
Leider begann es dann wieder zu regnen und so liefen nur die französischen Athleten weiter bis nach Reims, wo wir gemeinsam im Hotel übernachteten. Wir Radfahrer wollten unsere Sportkleidung trocken halten, da wir befürchteten, dass diese in der Nacht im Hotel nicht komplett trocknen würden. Nach einem angenehmen Abendessen und einer viel zu kurzen Nacht ging es am nächsten Morgen weiter in Richtung Melun auf der Ile de France. Natürlich starteten wir pünktlich um 5h zur ersten Tagesetappe. Und wieder ließ es sich Udo nicht nehmen, den Tag mit Viviane und anschließend Anaïs zu eröffnen. 

Am Dienstagabend erhielt die fünfköpfige französische Truppe Verstärkung von den beiden Läuferinnen Viviane und Anaïs. Die beiden waren leider kurzfristig beruflich verhindert und konnten erst verspätet zu unserem Trupp hinzustoßen. Dieser Tag war sehr sonnig und wir blieben bis zum Nachmittag vom Regen verschont. Wer jedoch die Champagne ein wenig kennt, dass es sich in diesem Weinanbaugebiet um ein sehr hügeliges Gelände handelt, kurzum es ging den ganzen Tag nur immer kleine giftige Hügel bergauf, um dann direkt wieder ins Tal zu fahren bzw. zu laufen. Zudem begleitete uns die ganze Zeit ein unangenehmer starker Gegenwind, der uns alleimmer wieder zum Fluchen verführte.

Ile de France - wir kommen dem Ziel immer näher

Bei unserem letzten Radfahrerwechsel unterlief mir dann leider ein verhängnis-voller Fehler.
Es fing wieder an zu regnen und ich wollte Jürgen dabei helfen, sein Rad schnellstens in den Bus zu hieven, bevor ich selbst mich auf die folgende Radetappe machte. Nach 10min klingelte mein Handy und Jürgen fragte mich, ob ich vielleicht den Busschlüssel in meiner Radtasche hätte. Das musste ich leider bejahen und so gab es nur einen Weg und der hieß – zurück. In der Zwischenzeit waren die Franzosen losgefahren und so gab es für uns Radler in Abstimmung mit den Läufern nur die Möglichkeit, sich abends im Hotel zu treffen. Bei einem gemeinsamen Digestif wurde darüber natürlich ausgiebig gelästert und gelacht.

Am Donnerstag konnten wir etwas länger schlafen, da nur noch ca. 90km Tagesetappe bis zur Ankunft in Cernay-la-Ville anstanden. Das wurde vor allen Dingen von Jürgen sehr begrüßt. So frühstückten wir alle zusammen ausgiebig in geselliger Runde und nahmen dann frisch gestärkt die letzte Etappe in Angriff. Hierbei startete natürlich Udo wieder für uns Radler und Viviane lief gemeinsam mit Anaïs die erste Etappe. So kamen wir Cernay-la-Ville rasch näher und um die Mittagszeit kamen Anaïs und ich gemeinsam zum Staffelwechsel an, wo alle uns in Campingstühlen enthusiastisch begrüßten. Das war ein Feeling wie bei der Tour de France. Dann suchten wir ein gemütliches Café auf und wir alle genossen ausgelassen und bei bester Stimmung einen ausgiebigen Apéritif bei einem Rouge oder auch Ricard. Und schon war es wieder Zeit zum Aufbruch und wir starteten mit insgesamt 6 Athlet*innen auf das letzte Teilstück bis kurz vor Cernay-la- Ville. Zu den letzten 5km wurden wir von drei Läufern aus Cernay erwartet, die unsere Busse nach Cernay fuhren, während wir Sportler alle gemeinsam unter großem Hallo in unserer Partnerstadt und der Heimat der Läufer*innen ankamen. Natürlich regnete es genau auf diesen 5km wieder ausgiebig. Aber das fiel uns erheblich leichter, als der Regen am ersten Tag. Eigentlich war das alles auch richtig so – der Regen war unser ständiger Begleiter.

jetzt sind es nur noch 5km
Gemeinsam am Ortseingang von Cernay-la-Ville

Am Ziel erwarteten uns ca. 200 Menschen – Odenthaler und Cernayaner, die uns einen herzlichen Empfang mit der Tricolore und deutschen Fahnen bereiteten.

Geschafft - alle kommen in Cernay-La-Ville nach der Ankunft

Die Nacht verbrachten wir Radfahrer privat bei Bewohnern aus Cernay-la-Ville, wo wir auch ausgiebig zusammen den Abend, bevor es gegen Mitternacht endlich ins Bett ging, damit wir am kommenden Tag wieder fit zu einer ausgiebigen Tour nach Amboise aufbrachen, diesmal aber nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Bus. Wir besichtigten dort das Chateau Amboise oberhalb der Loire, welches seine Blütezeit im 15. Jahrhundert unter dem französischen König Karl VIII erlebte.

Zudem besichtigen wir das Clos Lucé, wo der große Leonardo da Vinci seine letzte Ruhstätte fand. Es würde jetzt hier zu weit führen, über diese beiden Chateaus ausgiebig zu berichten, deshalb nur ein kleiner Tipp – Amboise ist auf jeden Fall eine Reise wert. Am Freitagabend trafen wir uns dann in einem großen Kreis zum Spanferkelessen unweit von Cernay-la-Ville, wo wir gemeinsam unsere Städtepartnerschaft genossen. Es gab viele internationale Gespräche, wo sich ein jeder bemühte, sich entweder in französischer oder deutscher Sprache zu verständigen. Und wenn gar nichts mehr ging, wurde halt auch in Englisch palavert.


Den Samstag verbrachten alle individuell mit ihren französischen Gastgebern und abends trafen wir uns alle gemeinsam wieder, wo der 30. Geburtstag unserer Städtepartnerschaft gewürdigt wurde und am Ende mit einer gemeinsamen schriftlichen Erklärung auch erneut besiegelt wurde.

Das war natürlich ein herausragender Grund zu einem gemeinsamen Bankett, welches bis spät nach Mitternacht andauerte, bevor es am Sonntag nach einer
ausgiebigen Verabschiedung wieder zurück nach Odenthal ging.

Das war natürlich ein herausragender Grund zu einem gemeinsamen Bankett, welches bis spät nach Mitternacht andauerte, bevor es am Sonntag nach einer ausgiebigen Verabschiedung wieder zurück nach Odenthal ging.
Das gemeinsame Dreamteam - jetzt auch einmal in Zivil.
Für mich endete der Tag so, dass ich den Bus wieder zu seinem Standort zurückbrachte und dann natürlich auch mit dem Rad wieder nach Blecher zurückfuhr. Wie begonnen, so endete es auch.
Ich jedenfalls werde mich an das Ereignis immer wieder gerne zurück erinnern.

Armin Schmidtke, Teilnehmer der Tour "Odenthal-Cernay-la-Ville"

Einladung zum Filmabend am 06.03.2026

Der Verein für die Städtepartnerschaft zwischen Cernay-la-Ville und Odenthal lädt herzlich zu einem besonderen Filmabend ein.

 

Gezeigt wird der Film „An einem Tag im September“ über die Begegnung und das Wirken von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer – zwei bedeutende Persönlichkeiten, die die deutsch-französische Freundschaft maßgeblich geprägt haben.

 

Datum:   06.03.2026
Einlass:  19:00 Uhr
Ort:        Bürgerhaus Odenthal

 

Der Eintritt ist frei.
Über Spenden zur Deckung der Unkosten freuen wir uns sehr.

Partnerschaftstreffen 2026

Wir freuen uns schon jetzt auf unser nächstes Partnerschaftstreffen in Cernay-la-Ville vom 14.05.-17.05.2026.

 

Unser Bus wird am Morgen des 14. Mai wie immer vom Parkplatz Schulzentrum aus starten. Die Unterbringung in Cernay erfolgt wie gewohnt in Gastfamilien, mit denen wir den ersten Abend gemeinsam verbringen. 

 

Am Freitag geht es in das wunderschöne Tal der Loire, genauer gesagt nach Amboise, wo wir das auf dem Festplateau erbaute Schloss besichtigen sowie das Chateau du Clos Luce, in dem der große Leonardo da Vinci seine drei letzten Lebensjahre verbracht hat. Auch seine Grabstätte werden wir besuchen. Das Mittagessen nehmen wir in einem Höhlenrestaurant ein. 

 

Der Samstag steht für die Erwachsenen mit ihren Gastfamilien zur freien Verfügung - in Paris oder Umgebung. Für die Jugendlichen steht Samstag zuerst der Pariser Freizeitpark "Jardin d'Acclimatation" auf dem Programm. Am Abend werden unsere 30 Jahre Städtepartnerschaft gebührend gefeiert - einschließlich Unterzeichnung des neuen Partnerschaftsvertrags durch die beiden Bürgermeisterinnen.

 

Am Sonntag, 17. Mai, treten wir nach einem kleinen Brunch im Gemeindesaal die Heimreise an.

 

Teilnahmekosten: 

Erwachsene:  € 280,- p.P. für Mitglieder

                    € 330,- p.P. für Nichtmitglieder

Jugendliche:  € 150,- p.P. 

 

Anmeldung bis spätestens Fr. 13.03.2026 entweder per Mail an christa.michalski@udotang.de oder komitee@cernay-odenthal.eu oder telefonisch unter 0170 - 764 2727

Aufruf an alle Laufbegeisterten:

Für den Zeitraum 11.05.-17.05.2026 suchen wir motivierte Läuferinnen und Läufer für einen Staffellauf von Odenthal nach Cernay-la-Ville. 

Interesse? Meldet euch gerne bei uns!

komitee@cernay-odenthal.eu

Komitee:

Ansprechpartner des Partnerschafts-Vereins:

 

Frau

Christa Michalski-Tang

Tel. 0 21 74/45 47

E-Mail: komitee@cernay-odenthal.eu

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